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Rezension: ‚Nichts wünsche ich mir mehr‘ von Lena Hach

Alopezie. Ganzkörper Haarausfall. Nach und nach. Haare auf dem Kopf. Intimbereich. Augenbrauen. Wimpern. Weg, weg, weg. In Kathas Worten: sie wurde zum Nacktmull. Plötzlich. Unerwartet. Keine (wahrscheinliche) Heilung. Die Krankheit tut was ihr gefällt. Nicht sterbenskrank, aber haarlos. Ab jetzt immer: die mit der Glatze. Das ist es, was Katha passiert. Das ist es, womit Katha umgehen muss.

Katha, 16 Jahre alt, zwei beste Freundinnen, Eltern, ein großer Bruder, verguckt in den süßen coolen Jasper – typischer Teenager halt. Bis die Alopezie zuschlägt. Plötzlich sind da tausend mehr Fragen, als davor: wie werden die anderen auf meinen Haarverlust reagieren? Perücke? Therapie? Medikamente? Heilung? Einen Freund finden trotz Alopezie? Tauchen? Schwimmen? Sportunterricht? Den Freunden mitteilen? Bleibt das für immer so?

Nichts wünsche ich mir mehr‚ war keinesfalls auf meinem Radar. Ein Buch über das ich nichts gehört hatte. Ein Thema, das mir völlig fremd war. Ich kann nicht für die Menschen sprechen, die selbst an Alopezie erkrankt sind, aber ich fühle mich jetzt als würde ich wirklich Bescheid wissen. Ich fühle mich belehrt, bereichert. Und trotzdem unterhalten. Ich lese nicht viele deutsche Bücher und wenn ich welche lese, mag ich sie oft nicht sehr, aber dieses Buch war wirklich toll. Informativ, ohne ’nur‘ pragmatisch zu sein. Emotional, ohne melodramatisch zu wirken.

„Mädels, hab ich euch schon erzählt, dass ich mein Fell verliere?“

Besonders gefallen hat mir Katha als Protagonistin. Sie war tapfer, humorvoll, umso stärker durch ihre schwächeren Momente – sie war real und greifbar. Ein nicht perfekter, aber guter Mensch. (Wo wir gerade beim Thema sind: Jasper war verdammt nah dran am Traum-Freund. Hätte ich so einen Jungen in der Schule kennengelernt, würde ich ihn nie mehr gehen lassen.) Auch die beiden Freundinnen und die Familie waren wunderbar. Besonders das Band zwischen den beiden Geschwistern, Henri und Katha hat mich fasziniert, ihre Interaktionen gingen mir unglaublich nah.

Das Thema und die Fragen, die es aufgeworfen hat, haben mich sehr beschäftigt. Für jeden Menschen nicht gerade der optimale Ausgang (Haarverlust), aber für Frauen und Mädchen stelle ich es mir besonders schwer und herzzerreißend vor. Das hat viel mit Femininität und Stolz zu tun. Und Selbstliebe. Die Gedankengänge, die einem durch die Krankheit im Kopf herumschwirren, sind im Buch nur all zu deutlich. Auch wie die Mitschüler reagieren, ist teils grausam, traurig und trotzdem realitätsnah dargestellt. Katha musste zwischenzeitlich unglaublich mutig sein, um sich durch den Tag zu kämpfen.

Der Schreibstil war sehr nach meinem Geschmack. Einfach, direkt, an Momenten witzig. Gut geschrieben, sehr jugendlich. Ich bin leicht hereingekommen, bin fast durch das Buch geflogen. Geholfen hat auch, dass es nicht unnötig in die Länge gezogen wurde.

„Katha, du kriegst ’ne Glatze.“
„Nice try.“

Definitiv empfehlenswert.

Weitere Rezensionen auf goodreads oder lovelybooks.

Nichts wünsche ich mir mehr


*Ich habe mein Exemplar bei einer lovelybooks-Leserunde gewonnen im Austausch für eine ehrliche Rezension.

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